Schützt den Schübling: Offener Brief an die UNESCO-Kommission Welterbe.

Mit diesem offenen Brief beantrage ich einen Eintrag des Schüblings als kombiniertes UNESCO-Kultur- und -Naturerbe.
Mit diesem offenen Brief beantrage ich einen Eintrag des Schüblings als kombiniertes UNESCO-Kultur- und -Naturerbe. Damit spreche ich ganz offenkundig für eine große Anzahl von Menschen, die auf der Suche nach einer Plattform für die Kultivierung und Anerkennung des Vorarlberger Schüblings sind.
Begriffsklärung
Der Schübling, damit meinen wir in Vorarlberg eine mittelgroße, geräucherte Brühwurst mit beeindruckendem Durchmesser bei verhältnismäßig kurzer Gesamtlänge in harmonischer Gesamtproportion. (Siehe auch: Goldener Schnitt;) Die Wurst kann sowohl roh verspeist (ohne Haut), eingeschnitten gegrillt, als Salat angemacht oder im Wasserbad erhitzt werden. Der Schübling passt zu jeder Mahl- und Jahreszeit.
Kultureller Impact
Vor vielen Jahren schrieb der Autor dieses Antrags eine „Ode an den Schübling“, die den „strammen Ritter im hauchzarten Darmkleid“ als Held zahlloser Sommerabende und Wanderungen pries. In der europäischen Wurstcommunity zählt dieses kompakte Poem als Wendepunkt in der Wurstdichtung. Keinesfalls will der Schübling dabei als Instrument einer abgehobenen Bohème verstanden werden. Vielmehr wirkt er als Bindeglied zwischen Bevölkerungsschichten, Regionen und einzelner kulturellen Strömungen (siehe auch: Schüblingklammer; Wurstkette;)
Gesellschaftliche Relevanz
In lokalen Initiationsriten und Statussymbolen gilt nicht der Besitz an sich, sondern der Umgang mit dem Schübling als Gradmesser der persönlichen und gesellschaftlichen Reife. Der erste eigene Schübling begleitete Generationen von Kindern beim Wandertag, wo er am Stock in direkter Flamme zubereitet wurde und wird: außen verkohlt und innen noch kalt. Dieses Erlebnis reiht sich in die Kette kindlicher Kernerinnerungen wie Radfahren- oder Schwimmenlernen. Mit zunehmender Erfahrung verfeinern die Vorarlberger:innen lebenslang die Zubereitung und erhöhen so das Erlebnis bis zur technischen und kulinarischen Perfektion. So hilft der Schübling beim ritualisierten Ausdruck familiärer und sozialer Hierarchien.
Schützenswerter Lebensraum
Besonders gefährdet ist der Schübling im Hinblick auf invasive Arten. Seit Jahren bedrängen die Ostösterreichischen Knacker und Schweizer Cervelat unsere heimischen Schüblinge. Aus unverantwortlichen Kreuzungen entstand bereits der „St.Galler“, der für eine Zubereitung am Grill angeblich besser geeignet sei als der heimische Schübling. Aufgrund dieser Zusatzgefährung des Habitats besteht vorliegender Antrag zum kombinierten UNESCO-Kultur- und -Naturerbe.
Persönliche Verbindung
Warum aber fühle ich mich so verbunden mit dem Schübling? Erst die (experimentelle) Methode der autogenen Wursthypnose eröffnete mir Erklärungsansätze für meine tief verwurzelte Leidenschaft. Zu verdanken ist sie wohl meiner unvergesslichen Oma Resi. Ihr verdanke ich meine Begeisterung für brätbasierte Fleischprodukte, meine Leidenschaft für gute Geschichten und das Talent, mit meiner großen Klappe in jedes verfügbare Fettnäpfchen zu treten. Lange Jahre arbeitete sie in einer Metzgerei in der Feldkircher Kreuzgasse. Eine ihrer Geschichten möchte ich in diesem Antrag teilen.
Kunde in der Metzgerei: „I hätt gern an Fleischkaas“ – Oma: „Mit Senf?“ Kunde: „Na, mit Fleischkaas“. Der Mann wird bedient und geht. Die folgende Kundin ist eine Frau mit Schoßhündchen. Oma zur Frau mit einem Nicken Richtung Tür: „Was isch denn des für oanar?“ - Kundin: „Des isch mei Sohn!“ – Oma: „Mei hond Sie a liabs Hündle.“
P.S.: Ein großes Dankeschön geht an meine Cousine Birgit, unserem kollektiven Familiengedächtnis, für die wie gewohnt passende Anekdote.
Diese Kolumne erschien ursprünglich im Thema Vorarlberg
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